Der Dom St. Petri zu Bautzen

TEXT Heinz Henke

Der Dom St. Petri zu Bautzen ist keine der großen berühmten Kirchen in Deutschland aber keineswegs eine unbedeutende. Zum Einen ist sie das krönende Dach eines mittelalterlichen Städtebildes, errichtet auf dem höchsten Punkt des alten Bautzens.

Es gibt aber auch einige Besonderheiten zu erwähnen:

In ganz Europa soll es nur noch zwei ständig bewohnte Kirchtürme geben und beide stehen in Sachsen. Einer von ihnen ist der 83 m hohe Domturm in Bautzen. In seiner 55 m² großen Wohnung lebt seit dem 01. Oktober 1900 die selbe Familie, inzwischen in 4. Generation. An einigen Wochenenden ab Ostern bis in den Herbst hinein kann auch der Turm von Besuchern bestiegen werden. Das Aussichtsgeschoss befindet sich 24 Stufen oberhalb der Türmerwohnung. Der Aufstieg erfordert es, insgesamt 238 Stufen zu erklimmen. Dann ist man in ca. 53 m Höhe, auf dem höchsten begehbaren Punkt der Stadt.

Außerdem ist das Gotteshaus eine der noch bestehenden 64 Simultankirchen in Deutschland. Wenn sie auch nicht das einzige Simultaneum des Landes ist, so ist sie doch aus mehrfachen Gründen einzigartig.

Bereits sieben Jahre nach der Veröffentlichung von Luthers 95 Thesen, begann man im Bautzener Dom auf zweierlei Weise zu predigen. Damit ist dieses Haus die früheste bzw. dienstälteste deutsche Simultankirche. Hier vollzog sich 1530 auch der einmalige Vorgang, dass eine katholische Einrichtung, nämlich durch der Dekan Paul Küchler, den Protestanten das Angebot für eine künftige gemeinsame Nutzung einer Kirche unterbreitete und gewährte. 1543 und 1583 wurden Verträge für die zeitliche und räumliche Trennung geschlossen. Die räumliche Teilung erfolgte und besteht noch immer durch ein inzwischen nur noch 1,1 m hohes Gitter. Auch das ist eine einmalige Nutzungsart. Mit 925 Plätzen im evangelischen Teil und 294 auf der katholischen Fläche, also insgesamt 1219 Sitzen, gibt es in Deutschland keine größere Simultankirche.

1921, beim Wiedererrichten des Bistums Meißen mit Sitz in Bautzen, wurde der Dom dessen Kathedrale. Bis 1994 war das Bistum exemt, unterstand dem Heilgen Stuhl direkt. Seither ist es ein Suffraganbistum des Erzbistums Berlin. Bis 1980 war St. Petri in Bautzen die Mutterkirche des Bistums. Da in dem Jahr der Sitz des Bischofs nach Dresden verlegt wurde und die Diözese seither den Namen Dresden-Meißen trägt, ist jetzt dort die vormalige Hofkirche die Kathedrale. Seither ist der Bautzener Dom im Rang einer Konkathedrale, also weiterhin eine Bischofskirche. Daraus ergibt sich eine weitere Singularität, der Dom ist weltweit die einzige Simultankirche, die zugleich eine Bischofskirche ist.

Wer mehr zur Geschichte und den Eigenheiten von Simultankirchen und z.B. zum Unterscheidungsmerkmal zu ökumenischen Gemeindezentren erfahren möchte, kann das in dem Buch „Wohngemeinschaften unter deutschen Kirchendächern“ finden (Engelsdorfer Verlag, Leipzig, ISBN-13: 978-3-86703-932-1). Es ist kein weiteres Buch bekannt, das sich so umfassend und doch kompakt mit dieser besonderen Art kirchlichen Lebens befasste bzw. befasst.

Recht herzlich lade ich Sie zu einer Sonderführung im und um den Dom St. Petri zu Bautzen ein. Finden Sie Antworten auf all die Fragen und besuchen Sie eine Kirche von Einzigartigkeit. Auf Wunsch führt Sie gern der Autor Herr Henke persönlich.