Teda, die Tuchhändlerin

Da domine incrementum - Hallo und herzlich willkommen
Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle - ich bin die Tuchhändlerin Teda.

Ich lebte in der Mitte des 17. Jahrhunderts und mein Mann hinterlies mir einen florierenden Tuchhandel, welchen ich 12 Jahre führte. Dabei durchlebte ich so manche Höhen und Tiefen.

Wenn Sie sich mir zu einem Stadtspaziergang anschließen, erzähle ich Ihnen gern aus meinem Leben. Dann können wir gemeinsam durch die Geschichte der Stadt Bautzen sowie der Oberlausitz wandeln.

Nun lade ich Sie ein, noch ein wenig von der wechselvollen Textilgeschichte der Oberlausitz zu lesen.

Die Textilgeschichte der Oberlausitz


Im 11. bis 12. Jahrhundert wandern deutsche Siedler aus Franken und Thüringen in die heutige Oberlausitz und gründen in den Flusstälern Waldhufendörfer. Sie halten sich Schafe und produzieren Wolle, die den Eigenbedarf bald übersteigt. Daraus entsteht in der Folge das Handwerk der Tuchweber, gemeinsam mit den Wollschlägern, Wollwäschern und Wollspinnern. So entwickeln sich in Bautzen und in der Oberlausitz mächtige Tuchmacherzünfte. 1284 eröffnet das Gewandhaus, das erste Kaufhaus für den Tuchhandel in Bautzen.

Ab 1300 gewinnt die Weiterverarbeitung der Tuche mehr an Bedeutung. Es etablieren sich die Berufe der Walker, Färber, Rauer und Scherer. 1339 erhält Görlitz von König Johann von Böhmen das Recht mit Färbwaid zu handeln, dem wichtigsten Färbemittel zu dieser Zeit. Damit entwickelt sich Görlitz zur reichsten Stadt in der Oberlausitz.

1434 entsteht in Löbau ein großer Garnmarkt. Die erfolgreiche Leineweberei ermöglicht sogar den Handel von Garnen bis nach Leipzig und Nürnberg. Im Jahre 1472 stiftet der Gewürz- und Getreidehändler Jacob Gürtler der Stadt Zittau das große Fastentuch. Es gilt heute als das älteste textile Zeugnis der Lausitz und trennte in der Fastenzeit in der Kirche St. Johannis den Altarraum von der Gemeinde.

Im 16. Jahrhundert erlangt die Leineweberei in der Oberlausitz maßgebliche Bedeutung. Um 1500 wird in Bautzen der größte Wollmarkt der Region abgehalten und in Görlitz gründet 1528 die erste Tuchmachermanufaktur.

Mitte des 17. Jahrhunderts bringen die Brüder Lange ihr in Belgien erworbenes Wissen um die Damastherstellung in ihre Heimat nach Großschönau bei Zittau. So entwickelt sich die Stadt zum bedeutendsten Standort der Damastweberei in Deutschland. Ihre Tafelwäsche aus Leinendamast wird in wenigen Jahren weltbekannt und gilt als Höhepunkt des europäischen Kunsthandwerks. Die Technologie der Damastweberei wird zum Staatsgeheimnis erklärt und die Damastweber von der Wehrpflicht entbunden.
Nach 1750 wird der Blaudruck in der Oberlausitz eingeführt und Zittau wird zum wichtigsten Leinenexporteur der Region.

Sachsen - Marktführer im Tuchhandel

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist Sachsen der Marktführer in der deutschen Textilindustrie. Erste Fabriken entstehen durch die Einführung der Dampfmaschine, wodurch die Hausweberei ausstirbt. Dennoch leben 3/4 der Bevölkerung von der Damastweberei. 1844 richtet sich der Protest der Weber gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne. Der Weberaufstand inspiriert Heinrich Heine zu dem bekannten Gedicht "Die schlesischen Weber".

Die in Neugersdorf gegründete Textilfabrik C. G. Hoffmann, später bekannt als "LAUTEX" bleibt bis 1989 der größte Textilbetrieb der ehemaligen DDR. Nach 1990 bricht die ostdeutsche Textilindustrie zusammen. Von 215.000 Beschäftigen bleiben 25.000 Arbeitsplätze erhalten. In der Oberlausitz verliert die Textilindustrie ihre jahrhundertealte Position
Inzwischen haben sich wieder rund 80 Unternehmen der Textilbranche in der Region angesiedelt und auch viele private Unternehmungen erhalten oder beleben das textile Handwerk.

Quelle: "Unsere Heimat",
Kulturspiegel für die Gemeinden Großschönau, Waltersdorf, Hainewalde - September 1957

 

Mit der Stadtführerin Teda in Bautzen unterwegs

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